Wenn ich das richtig mitbekommen habe, ist Walk the line einer der Favoriten für die anstehende Oscar-Verleihung. An mancher Stelle sah man deshalb schon Plakate, die von Hollywoods bestem Film seit langem kündeten. Und ich wurde herbe enttäuscht.

Johnny Cash
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Der Film beginnt mit einer Rückblende in Johnny Cashs noch glücklicher Kindheit an der Seite seines Bruders. Nehmt es mir nicht übel, wenn ich die Story oder Details davon verrate, aber erstens kann ich den Film nicht so doll zerreißen, wenn ich mich da zurückhalten muss und zweitens ist die Geschichte auch kein großes Geheimnis, ist ja schließlich ein sogenanntes Biopic. Also, der Film beginnt quasi in seiner Kindheit, wo sein Bruder stirbt, der ihm sehr nahe steht. Das hat mich so ein klein wenig an Ray erinnert. Dann, also eine Blende später, geht er zur Armee, kommt wieder und heiratet seine große Liebe Vivian. Auch das hat mich ein wenig an Ray erinnert, obwohl der niemals bei der Armee war. Als Vertreter ist Johnny eine Niete, aber dafür kann er einen Produzenten überzeugen ihn und seine Band zu produzieren und auf Tour zu schicken. Darunter leidet so ein klein wenig die Ehe mit seiner Frau. Kam mir irgendwie bekannt vor. Als nächstes folgt das, was unweigerlich folgen muss: Drogen! Ja, auch das gabs bei Ray schonmal.

Johnny Cash und June Carter
Tut mir leid, wenn das irgendwie platt klingt. Mir ist auch klar, dass bei derartigen Filmen ein gewisses Muster einfach nicht zu durchbrechen ist, vor allem dann, wenn es die Biografie nicht anders her gibt. Aber ganz ehrlich, dieser Film ist dermaßen vorhersehbar, dass es einen schon fast gruselt. Kleines Beispiel: Von der ersten Sekunde an weiß man, dass die Ehe mit Vivian nicht halten wird. Nicht nur, weil eigentlich Reese Witherspoon die Hauptdarstellerin ist, in die sich Johnny spontan verliebt sobald sie ihren ersten Auftritt hat und man getrost davon ausgehen kann, dass sie somit zwangsläufig früher oder später an seiner Seite landen wird. Nein, man merkt es vor allem daran, dass seine Ehefrau nicht im Geringsten zu Johnny Cash passt oder passen will. Sie hat kein Verständnis für sein Leben vor der Karriere, kein Verständnis für sein Leben während der Karriere und überhaupt keine Ambition irgendwie am Leben ihres Mannes teilzuhaben. Diese ganze charakterlich vielleicht gar nicht so schlecht dargestellte Konstellation wird einem als Zuschauer sehr schnell klar. Trotzdem dauert es quälende anderthalb Stunden, bis der Sache mal ein Ende bereitet wird.

June Carter
Ein anderes Beispiel ist Johnnys Drogenkonsum. Auch hier gibts keine Überraschungen: Klar sind die Pillen am Anfang hilfreich, klar wird er abhängig und klar, dass es schief geht und ihn alle Menschen verstoßen werden und klar, dass er entzieht und dann ein besserer Mensch wird. Das ist so ein bißchen wie Beifahrer sein, man will ständig mitbremsen, weil man weiß was kommt.

Folsom Jail
Nominiert ist Walk the line unter anderem für die besten Hauptdarsteller. Tja, da weiß ich nicht so recht. Witherspoon macht einen tollen Job, ich glaube nicht, dass irgendjemand anderes die Country-Queen so gut gebracht hätte. Die Rolle sitzt wie angegossen. Bei Joaquin Phoenix – dessen Vornamen man übrigens Wakin spricht – bin ich mir da noch nicht so sicher. Ich weiß, dass er ein toller Schauspieler ist und man sieht ihm auch an, dass er sich bei der Rolle viel Mühe gegeben hat. Ich glaube, er hat sogar alles selbst gesungen, was so von Cash im Film zu hören war. Aber trotzdem konnte ich Cash im Film von der ersten Sekunde an überhaupt nicht leiden. Ob tatsächlich besoffen oder nicht, er wirkte den ganzen Film über wie nach oder besser während eines schweren alkoholischen Absturzes, irgendwie immer ein Stück neben sich. Die Art wie er redet, guckt und sich bewegt. Ob Phoenix nun gut oder schlecht spielt, muss jemand beurteilen, der Cash noch kannte. Sympathie hat er aber nicht unbedingt ausgestrahlt.

June Carter
Naja, und dann muss man auch sagen, dass Johnny Cash ein schweres und bemitleidenswertes Leben geführt haben muss, wenn man dem Film Glauben schenken darf: Er hat es immer schwer, alle sind gegen ihn und nur wenige heitere Momente können sein irdisches Dasein auch nur kurz ein wenig aufhellen. Das gibt ihm zwar per Definition schon den ultimativen Blues, aber Spaß an der Musik kauf ich ihm nicht ab. Den sieht man nämlich nicht.

Johnny Cash und June Carter
Und damit wären wir schon beim nächsten und dem eigentlich wichtigsten Thema, über das in dem Zusammenhang mal gesprochen werden sollte: Die Musik. Johnny Cash ist für mich so ein kleiner blinder tauber Fleck auf der Landkarte. Sein Name ist groß genug, dass ich ihn schon mal gehört habe, seine Songs kannte ich hingegen nicht. Jetzt weiß ich auch wieso: Ich finde sie nämlich furchtbar. Irgendwie hätte ich gedacht, seine Musik wäre cooler. Ist sie aber nicht. Stinklangweiliger Country und das gab mir bei diesem Film den Rest.

Johnny Cash
Als Fan von Cash und seiner Musik wird man hier sicherlich seinen Spaß haben. Ich bin da ganz subjektiv, mir hats nicht gefallen. Aber würde ich Jazz nicht mögen, hätte mir vermutlich auch Ray nicht gefallen.





